
Garten am Atelier – Thanning
Kalkstein, Kies und Stauden um Wohnhaus und Atelier eines Malers – ein Garten, der von jedem Fenster aus ein Motiv ist.
| Lage | Thanning, Gemeinde Egling |
| Größe | ca. 500 m² (gebaut 2011) |
| Planung | Architekturbüro Kühne |
| Ausführung | Fuchs baut Gärten GmbH – Gärtner von Eden |
| Fotografie | Klas Stöver, Lenggries |
„Der Garten ist die Umgebung, in die ein Maler jeden Tag hinausschaut.“
Der Auftraggeber dieses Gartens ist der Maler Michael Dillmann, der in Thanning lebt und arbeitet. Er hat an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Rudi Tröger studiert und malt mit reiner Eitempera auf Holzplatten; seine Bilder entstehen aus eigenen Fotografien. Das macht die Aufgabe hier zu einer besonderen: Der Garten ist die Umgebung, in die ein Maler jeden Tag hinausschaut – vom Schreibtisch, von der Staffelei, von der Terrasse.
Wenige Materialien, klar verteilt
Der Garten kommt mit wenig aus, und das ist der Grund, warum er nach über zehn Jahren noch so aussieht. An der Hofeinfahrt und beim Treppenaufgang liegt Granit – der harte, tragfähige Stein dort, wo gefahren und täglich gegangen wird. Die Mauern im Garten sind aus Kalkstein gesetzt: Trockenmauern, die das Gelände abtreppen und die Stufen gleich mitliefern. Wassergebundene Wegedecke und Kies übernehmen die Flächen – wasserdurchlässig, leise, und man hört, wer kommt. Dazu trockenheitsfeste Stauden in Masse statt in Einzelstücken: Lavendel, Frauenmantel und Katzenminze tragen die Beete, dazu Storchschnabel in Blau. Keine Rasenfläche als Hauptdarsteller, kein Becken, keine Effekte.
Der Rundgang
Der Garten erzählt sich beim Gehen, und zwar in einer festen Folge:
- Hofeinfahrt und Treppenaufgang aus Granit, links und rechts begleitet von Staudenbeeten. Wer ankommt, geht zwischen Blüten hindurch nach oben.
- Links am Haus vorbei. Am Hauseingang sitzt die Bank im Stein, dahinter steht die Stellmauer aus Kalkstein.
- Auf dem Kiesweg rund ums Haus – wasserdurchlässig und hörbar – zu einem Sitzplatz unterhalb der Mauer, dem geschütztesten Platz im Garten.
- Am Haus die Tomaten und das, was man eben so hat: der Nutzteil, der in einem Familiengarten nicht versteckt wird.
- Nach hinten zu den Apfelbäumen und weiter zum Atelier.
Was diesen Garten im Kern ausmacht. Es ist ein klassischer bayerischer Familiengarten, in dem Wohnen, Arbeiten und Familie an einem Ort zusammenfallen. Der Nutzteil steht neben dem Sitzplatz, das Atelier neben den Apfelbäumen, die Einfahrt neben dem Staudenbeet. Und weil hier immer wieder Ausstellungen des Künstlers vor Ort stattfinden, ist der Garten auch ein öffentlicher Raum auf Zeit – ein Ort der Begegnung. Für die Gestaltung heißt das: Wege müssen für Gäste taugen, Sitzplätze für mehr als zwei Personen, und alles muss auch dann gut aussehen, wenn dreißig Leute darin stehen.
Warum das für den Ort stimmt. Thanning ist ein kleiner Ort in der Gemeinde Egling, und der Garten liegt offen in der Landschaft: Zwischen den Stauden hindurch schaut man auf Obstbäume, Wiesen und die Dächer der Nachbarschaft. Ein Garten mit harten Kanten und geschnittenen Formen wäre hier ein Fremdkörper. Also legt sich alles über die Kanten – Lavendel über die Blockstufen, Katzenminze über den Pflasterrand, Storchschnabel über die Mauerkrone.
Das Detail, auf das wir zeigen
In der Trockenmauer sitzt eine Sitzbank aus einer einzigen Steinplatte. Keine Konstruktion, kein Möbelstück, das im Winter weggeräumt wird – eine Platte, die in der Mauer liegt und im Sommer von Stauden überwachsen wird. So etwas kostet in der Ausführung Sorgfalt und im Unterhalt nichts. Mehr zu dieser Bauart unter Mauern und Zäune, mehr zur Pflanzenauswahl unter Staudenpflanzung.
Und dann die andere Seite: das Atelier. Zu diesem Garten gehört ein Arbeitsraum mit Fensterfront – und diese Fenster sind der Grund, warum der Garten so geplant ist, wie er geplant ist. Von innen wird jede Öffnung ein Rahmen: die Kalksteinmauer, die Katzenminze, der Baum. Auf der Fensterbank stehen die Pinselgläser, drinnen liegt die Palette mit Farbschichten aus Jahren. An diesem Ort sieht man ungewöhnlich deutlich, wozu ein Garten da sein kann – nicht als Kulisse zum Vorzeigen, sondern als Gegenüber für jemanden, der den ganzen Tag hinausschaut.





















