
Die pure Schönheit der gestalteten Natur
Eine artenreiche Blumenwiese als Fest für die Sinne – Naturgarten im großen Maßstab.
| Lage | Bad Wiessee |
| Größe | 8.000 m² Wiese, 3.000 m² Gehölzsaum, 800 m² Innenhof (gebaut 2012/13) |
| Planung | Fred Fuchs (Naturgartenprofi) |
| Ausführung | Fuchs baut Gärten GmbH – Gärtner von Eden |
| Fotografie | Dama Fotografie, Thomas Greil |
| Auszeichnung | „Gärten des Jahres“ 2018 (Callwey) – im Buch „Die 50 schönsten Privatgärten“ veröffentlicht · Projekt beim Wettbewerb ansehen |
„Die Herausforderung bestand darin, die Idee des Naturgartens im großen Maßstab umzusetzen.“
Eine Wiese muss man sich leisten können – nicht im Preis, sondern in der Fläche. Hier war sie da: 8.000 m² Blumenwiese legen sich um einen Mehrgenerationen-Hof im Tegernseer Tal und betten ihn so weich in die Landschaft, dass man den Übergang nicht findet. Zwei alte Eichen stehen darin, weit ausgestreckt – Hausbäume, die schon lange frei standen.
Gestaltet hat den Garten Fred Fuchs, unsere zweite Generation. Sein Wissen über Naturgärten hat er nicht aus Büchern: Er suchte den Kontakt zu Reinhard Witt, dem Mitbegründer des Naturgarten e. V., und machte dort die Ausbildung zum Naturgartenprofi. Rund 80 % dieses Gartens sind nach den Kriterien des Vereins gebaut.
Warum 5.000 m³ Erde weggefahren wurden
Eine blumen- und kräuterreiche Magerwiese braucht nährstoffarmen Boden – auf gutem Oberboden setzen sich wenige starke Gräser durch und der Rest verschwindet. Also wurde der Oberboden zum großen Teil abgetragen, etwa 5.000 Kubikmeter. Zwei Drittel der Fläche sind heute Wiese, ein Drittel bleibt Rasen: Spielfläche für die Kinder. Die Saatmischung kam über das Naturgarten-Netzwerk und war auf diesen Standort abgestimmt – davon hängt ab, welche Arten am Ende wirklich kommen.
Eine Blumenwiese entsteht nicht beim Aussäen, sondern beim Mähen
Das ist die Lehre aus diesem Projekt, und wir schreiben sie hin, weil sie fast nie erzählt wird: Eine artenreiche Wiese hält sich nur, wenn zum richtigen Zeitpunkt gemäht wird – erst, wenn möglichst viele Arten geblüht und Samen angesetzt haben. Wird ein Jahr zu früh gemäht, fehlen die Arten im nächsten. Wer eine Wiese anlegt, entscheidet damit über Jahrzehnte Pflege. Genau dafür gibt es bei uns eine eigene Abteilung: Gartenpflege – und mehr zum Thema unter Umwelt und Artenvielfalt und naturnahe Staudenpflanzung.
Das Wasser bleibt im Grundstück. Die Beläge sind durchlässig, das Oberflächenwasser versickert. Das Dachwasser läuft über einen Bachlauf ab, der in den Hang modelliert und zu den Gebäuden hin mit großen Dolomit-Findlingen abgestuft wurde: Bei starkem Regen rauscht ein kleiner Wildbach durch den Garten, und danach ist er wieder trocken. Auch die Brunnenanlage läuft über eine Drainage, damit das Wasser zirkuliert.
Das Handwerk unter der Natur
Aus unseren Bauunterlagen – gebaut von Januar 2012 bis Mai 2013, gepflanzt bis zum Frühjahr 2013.
Dass dieser Garten so selbstverständlich aussieht, liegt an dem, was man nicht sieht: 165 m² Travertin-Formatplatten liegen auf einer Betonfundamentplatte mit Entwässerungsmatte, dazu 155 m² Granit-Krustenplatten, Trockenmauern aus Muschelkalk und Kalkstein, Granit-Antikstufen, ein Wandbrunnen und das Granit-Brunnenbecken im Innenhof. Am Haus ein Deck, im Gelände Isar-Findlinge – und rund 450 m² Blumen-Schotterrasen: begrünte Flächen, die befahrbar bleiben und trotzdem blühen.
Gepflanzt wurde in Dimensionen, die sofort wirken: neun Hainbuchen-Spalier-Hochstämme als grüne Wand, über dreißig große Eiben-Solitäre und Feldahorne von vier bis fünf Metern Höhe. Wie wir solche Mauern und Beläge bauen, steht unter Mauern und Zäune und Umsetzung.
Der Innenhof ist der Treffpunkt der Generationen, die hier leben. Sein Blickfang ist ein breites Becken aus heimischem Granit, in dem sich die Architektur spiegelt; die Wege bestehen aus gebrauchten Granitplatten, teils mit Findlingen durchsetzt. Hier wird die Gestaltung dichter – Hortensien, der Apfelbaum ‚Elstar‘ – ohne je übertrieben zu wirken.
Zur Landschaft hin gibt es keine harte Linie, sondern einen Gehölzsaum aus heimischen Arten: Feldahorn, Pfaffenhütchen, Mispel, Kornelkirsche. Darunter wächst eine Krautschicht, die eigens ausgesät wurde – Akelei, Falsche Alraunwurzel, Brauner Storchschnabel, Nachtviole und Waldsteinie. Das Ergebnis ist ein Garten, der 365 Tage im Jahr etwas hergibt, weil in jeder Jahreszeit etwas anderes dran ist.















Fotos: Dama Fotografie, Thomas Greil · „Gärten des Jahres“ 2018 (Callwey) – im Buch „Die 50 schönsten Privatgärten“ veröffentlicht
