Gräser und Geometrie

Gräser und Geometrie

960 m² am Alpenrand: Eine Mauer aus Limes-Dolomit ordnet den Hang, Gräser und große Gehölze nehmen der Ordnung die Strenge.

LageUnterwössen, Chiemgau
Größe960 m²
PlanungPlanung: Philip Nützel, damals unser Planer · Bau und Bepflanzung: Fuchs baut Gärten · Mauer und Terrasse: Limes Dolomit (Traco Deutsche Travertinwerke) · Wege: Baierwald-Granit, teils aus dem Bestand · Sitzfläche: wassergebundene Decke · Brunnen: Granitfindling mit Messingauslass · Bepflanzung gemeinsam mit den Treebrokern von Katharina von Ehren · bauliche Arbeiten Herbst 2024, Pflanzung Frühjahr 2025
AusführungFuchs baut Gärten GmbH – Gärtner von Eden
FotografieBenjamin Klopp / frames for good
AuszeichnungLonglist „Gärten des Jahres“ 2026 und 2027 (Callwey)

„Ein Garten, der Geschichte atmet – wo klare Formen und blühende Fülle zu einem stillen Paradies verschmelzen.“

— aus unserer Einsendung zu „Gärten des Jahres“

Vorher war hier eine große, offene Wiese – viel Fläche, wenig Grund, sich draußen aufzuhalten. Die Bauherrschaft formulierte nur einen einzigen klaren Wunsch: Garten und Haus sollen ein Ganzes werden. Das Wohnhaus ist kein Neubau, sondern ein ortsbildprägendes Gebäude mit gewachsenem Charakter – also wurde der Garten nicht modern gestaltet, sondern natürlich.

Der Name sagt, wie das zusammengeht: Geometrie gibt die Ordnung, Gräser nehmen ihr die Strenge.

Ein Material, konsequent durchgezogen

Der Rasen wurde vollständig entfernt. Dem sanft abfallenden Hang gibt jetzt eine Natursteinmauer aus Limes-Dolomit klare Konturen – dahinter liegt eine tiefergelegte Rasenfläche, die bewusst nur einen kleinen Teil des Gartens einnimmt. Rasen als Element, nicht als Standard.

Die Hauptterrasse besteht aus demselben Stein wie die Mauer. Das ist der Grund, warum der Garten trotz vieler Bereiche ruhig wirkt: Boden und Mauer sprechen dieselbe Sprache. Die Wege sind aus Baierwald-Granit, teils aus dem Bestand des Grundstücks und gezielt ergänzt – gebrauchter Stein passt zu einem Haus, das schon länger da steht. Eine zweite, großzügige Sitzfläche ist als wassergebundene Decke ausgeführt: wasserdurchlässig, leise unter den Schuhen, unversiegelt.

Das Detail, auf das wir am meisten stolz sind, ist ganz unspektakulär: die lockere Einfassung der Beete mit wild verlegten Limes-Platten zum Rieselbelag hin. Klare Kante, unregelmäßig gesetzt – das nimmt der Geometrie die Härte, ohne sie aufzugeben.

Ein Granitfindling mit einem schlichten Messingauslass ist der einzige bewusst gesetzte Blickfang. Kein Wasserspiel, kein Becken – ein Stein, aus dem Wasser läuft. Mehr braucht dieser Garten nicht. Wie wir sonst mit Wasser arbeiten, steht unter Wasser im Garten.

Große Gehölze von Anfang an

Ein neuer Garten sieht meistens neu aus. Damit dieser es nicht tat, haben wir bewusst größere Gehölze gesetzt – Schirmformen von Heptacodium miconioides, Crataegus persimilis und Gleditsia triacanthos ‚Inermis‘. Sie geben Struktur und Leichtigkeit gleichzeitig. Wie solche Bäume auf ein Grundstück kommen, zeigen wir unter Bäume & Großbäume.

Den Sichtschutz übernehmen Spalierhochstämme von Parrotia persica und Spalierobst – Sichtschutz, der blüht und trägt, statt einer Wand. Carpinus betulus in Dachform spendet Schatten, ohne den Garten zu schließen. Im Halbschatten sorgen Rhododendren für Farbe.

Dazu Stauden, die den Sommer über durchtragen: Astern, Anemonen, Epimedium, Gaura und Salvia. Unter der Gleditsia steht Stipa – filigranes Gras unter einem lichten Baum, das ist die Stelle, an der Gräser und Geometrie sich treffen.

Bewusst keine Exoten: Alles ist standortgerecht gewählt, damit es sich in die Landschaft am Alpenrand einfügt und dort auch bleibt. Die Bepflanzung ist gemeinsam mit den Treebrokern von Katharina von Ehren und der Bauherrschaft entstanden.

Siegel Gärten des Jahres 2027 – Longlist, Die 50 schönsten Privatgärten

Zweimal auf der Longlist für „Gärten des Jahres“ des Callwey Verlags: 2026 mit den Herbstaufnahmen und 2027 noch einmal mit den Sommerbildern – wir wollten wissen, ob der Garten in der anderen Jahreszeit anders gelesen wird. Es ist derselbe Garten, nicht zwei. 2027 steht auch „Badefass und Bergblick“. Was der Wettbewerb ist, steht bei den Auszeichnungen.

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Fotos: Benjamin Klopp / frames for good · Longlist „Gärten des Jahres“ 2026 und 2027 (Callwey)

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