
Von Balbina Fuchs, Landschaftsarchitektin und Inhaberin · Fuchs baut Gärten, Lenggries · veröffentlicht 05.11.2026
Claude Monet hat sich seine Seerosen nicht nur gemalt, sondern zuerst selbst gepflanzt: 1893 ließ er in Giverny einen Teich ausheben, besorgte sich die damals neuen farbigen Seerosen und malte sie bis zu seinem Tod 1926 immer wieder. Sein Garten zeigt bis heute, wie viel Ruhe ein Seerosenteich in einen Garten bringt – und das gelingt auch in Oberbayern.
Auf die Idee zu diesem Beitrag hat mich meine Mutter Angelika Fuchs gebracht: Sie war Anfang Oktober mit dem Betriebswirte-Treffen in Berlin, hat im Museum Barberini in Potsdam Monets Seerosen im Original gesehen und mir die Bilder geschickt – darüber habe ich mich riesig gefreut. Vor so einem Bild versteht man, was ein Garten sein kann: die Muse eines Künstlers.

Ein Teich, für die Malerei gebaut
1883 zog Monet in das Haus in Giverny, einem Dorf an der Seine nordwestlich von Paris, und kaufte es einige Jahre später. 1893 erwarb er ein Grundstück auf der anderen Seite von Straße und Bahnlinie und beantragte beim Präfekten, dort ein Becken auszuheben, gespeist von einem Arm des Flüsschens Epte (Musée des impressionnismes Giverny). Darüber spannte er eine japanische Brücke – grün statt rot, wie es in Japan üblich wäre. Ein Gärtner kümmerte sich nur um den Teich und entfernte jedes welke Blatt, damit das Wasser ruhig und klar blieb (Fondation Claude Monet). 1901 kaufte Monet Land dazu und vergrößerte den Teich auf etwa das Dreifache.
Die Seerosen kamen aus Südfrankreich. Der Gärtner Joseph Bory Latour-Marliac hatte als Erster winterharte Seerosen in Rosa, Rot und Gelb gezüchtet und dafür auf der Pariser Weltausstellung 1889 einen ersten Preis bekommen (Latour-Marliac). Monet sah sie dort – und bestellte wenige Jahre später für seinen Teich.
Rund 300 Bilder vom selben Wasser

Was dann kam, ist einzigartig in der Kunstgeschichte: Von Ende der 1890er-Jahre bis 1926 malte Monet seinen Teich immer wieder – das Musée de l'Orangerie spricht von fast 300 Bildern, darunter über 40 großformatige (Musée de l'Orangerie). Am Tag nach dem Waffenstillstand 1918 bot er dem französischen Staat einen Zyklus großer Seerosen-Tafeln als Geschenk an. Seit Mai 1927 umgeben sie die Besucher in zwei ovalen Sälen der Orangerie in Paris, fast 100 Meter Malerei rundum.
Dass die späten Bilder so anders aussehen, hat auch mit Monets Augen zu tun: Der Graue Star ließ ihn Blau und Grün kaum noch unterscheiden, seine Bilder wurden rötlich und trüb. Nach einer Operation 1923 kehrten Blau und Violett zurück (Science History Institute).
Wer die Seerosen nicht erst in Paris sehen will: Die Albertina in Wien besitzt „Der Seerosenteich“, um 1917 bis 1919 gemalt, zwei Meter breit (Albertina), und das Museum Barberini in Potsdam (Humboldtstraße 5–6), wo das Foto oben entstanden ist, zeigt zwei Seerosen-Bilder in seiner Monet-Sammlung (Museum Barberini). Monets Haus und Garten in Giverny sind jedes Jahr von April bis Anfang November geöffnet.
Seerosen im eigenen Teich


Monets wichtigste Erkenntnis gilt auch im eigenen Garten: Seerosen brauchen Sonne und ruhiges Wasser. Die Royal Horticultural Society nennt mindestens sechs Stunden volle Sonne am Tag und einen Platz weit weg von Fontänen, Pumpen und Wasserläufen (RHS).
- Die richtige Tiefe: Kleine Sorten wachsen mit 30 bis 45 Zentimetern Wasser über der Pflanze, mittlere mit 45 bis 75, große mit bis zu 120 Zentimetern. Junge Pflanzen setzt man zuerst flacher und später tiefer.
- Pflanzzeit: vom späten Frühjahr bis in den Spätsommer, im Pflanzkorb mit Teicherde oder schwerem Lehm.
- Nicht zu viel: Höchstens die Hälfte der Wasserfläche sollte von Blättern bedeckt sein.
- Pflege: Welke Blüten und gelbe Blätter entfernen – sie faulen sonst und fördern Algen. Alle paar Jahre werden die Pflanzen geteilt.
- Winter: Die winterharten Sorten, wie Monet sie hatte, bleiben einfach im Teich.
In einem Schwimmteich bekommen Seerosen ihren Platz in der Regenerationszone, wo das Wasser ruhig ist und die Pflanzen das Wasser mitreinigen. Die rosa und weißen Seerosen in diesem Beitrag blühen in Teichen, die wir gebaut haben: im Swimming Pond mit Alpenblick, im Schwimmteich in Rottach-Egern und im Wasserreich der Gelassenheit – Giverny im Kleinen, mit Bergblick.
Und wer weiß: Vielleicht steht eines Tages eine Künstlerin oder ein Künstler an einem unserer Schwimmteiche, lässt sich von den Seerosen inspirieren – und wir entdecken das Bild irgendwann im Museum.
Fotos: Bauherrschaft Swimming Pond mit Alpenblick (Titelbild); Victor Liska photography (zwei rosa Seerosen); Benjamin Klopp / frames for good (weiße Seerose); Angelika Fuchs (Museum Barberini); Fuchs baut Gärten (rote Seerose)
Kurz beantwortet
Wo hat Monet seine Seerosen gemalt?
Wie viele Seerosen-Bilder hat Monet gemalt?
Wie tief muss ein Teich für Seerosen sein?
Brauchen Seerosen im Winter Schutz?
Was möchten Sie wissen?
Ihre Frage ist hier nicht beantwortet? Schreiben Sie uns – wir antworten persönlich. Gute Fragen greifen wir manchmal in einem neuen Beitrag auf, natürlich ohne Ihren Namen.
Mehr aus dem Ratgeber
Jeden Donnerstag beantworten wir hier eine Frage aus dem Garten – oft eine, die uns Kundinnen und Kunden stellen.



